Vor- und Frühgeschichte in Dithmarschen

 

Schon in der Jungsteinzeit und in der Bronzezeit war das heutige Dithmarschen relativ dicht besiedelt, wovon die zahlreichen Megalithen und Grabhügel ein Zeugnis ablegen. Die Datierung der Grabanlagen ist gewissen Schwierigkeiten unterlegen. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Großsteingräber in dieser Region in einem relativ kurzen Zeitraum (von etwa 2.800 - 2.400 v.Chr.) errichtet wurden. In der Regel waren die aus grossen Findlingen zusammengefügten Kammern ganz oder teilweise in Erdhügeln verborgen. Diese Hügel wurden darauf mit Steinmauern eingefasst. Von nachfolgenden Kulturen wurden diese Grabstätten oft weiter genutzt, auch wenn sich die Begräbnisriten deutlich unterschieden. Inwieweit die Änderung der jeweiligen Totenbräuche mit einem Bevölkerungswechsel einherging, läßt sich beim gegenwärtigen Stand der Forschung nicht genau sagen. Vermutlich stellten die "Trichterbecherleute" (benannt nach ihrem typischen Keramikstil) die vorindoeuropäische Bevölkerung des heutigen Dithmarschen. Beeinflußt waren diese von religiösen Vorstellungen, die sich an den Küsten von Mittelmeer, Atlantik und Nordsee ausbreiteten und sich in der Errichtung der Megalithgräber manifestierten. Diese faszinierenden Bauwerke geben der Wissenschaft auch heute noch Rätsel auf. Man nimmt an, dass diese Form der Totenverehrung über seefahrende Händler an die verschiedenen Küstenkulturen vermittelt wurde. Die wohl schon indoeuropäischen Folgekulturen (z.B. "Streitaxtleute"), die ihre Toten ebenfalls traditionell in Grabhügeln bestatteten, nutzten die bestehenden Megalithgräber weiter. Die Angehörigen dieser Kulturen vermischten sich mit der einheimischen "alteuropäischen" Bevölkerung, übernahmen aber hinsichtlich der Sprache und der religiösen Vorstellungen die Vorherrschaft. Aus ihren Nachfahren entwickelten sich am Ende der Jungsteinzeit die Vorläufer der Germanen.

 

 

Grabhügel in Albersdorf

Die dithmarscher Geest war noch im 19. Jahrhundert übersät mit jungstein- und bronzezeitlichen Grabhügeln. Viele von ihnen wurden inzwischen abgetragen, jedoch finden sich auch heute noch, besonders in der Umgebung von Albersdorf und Windbergen ansehnliche Exemplare.

 

 

Grabhügel bei Winbergen

 

 

Schalenstein in Bunsoh

Der Schalenstein von Bunsoh gilt als eines der bedeutendsten Kultobjekte aus urgeschichtlicher Zeit in Schleswig-Holstein. Er ist einer von drei Decksteinen eines Ganggrabes aus der Jungsteinzeit. Erst am Übergang von Stein- zu Bronzezeit erhielt er die zahlreichen Vertiefungen, Näpfchen, Speichenkreuz, Hand- und Fußsymbole, die wohl kultischen Zwecken dienten.

 

 

Papenbusch (Albersdorf)

Der erweiterte Dolmen im Papenbusch wurde zwischen 2900 und 2600 v. Chr. erbaut. Früher war diese Anlage vollständig durch einen Hügel verdeckt. Von den ursprünglichen Decksteinen ist heute nur noch einer erhalten.

 

 

Brutkamp in Albersdorf

Dieses Großsteingrab in Albersdorf trägt den größten Deckstein (etwa 15 Tonnen), der in Schleswig-Holstein erhalten geblieben ist. Es ist umgeben von den Resten eines Rundhügels mit Steineinfassung.

 

 

 

 

Langbetten bei Albersdorf

Die Langbetten in Bredenhoop, südlich von Albersdorf, wurden wohl in der jüngeren Steinzeit um 2.700 v.Chr. von Angehörigen der "Trichterbecherkultur" als Grabstätten errichtet.

 

 

Ganggrab von Linden-Pahlkrug

Das Ganggrab von Linden-Pahlkrug wurde im Jahre 1879 entdeckt, als der Besitzer damit begann die Erde des Hügels abzutragen. Man fand dabei einen Steindolch, ein Bronzestück und einen Schleifstein (heute leider verschollen). Weiterhin fanden sich zwei bronzezeitliche Urnen, ein Zeichen dafür, dass auch dieses Grab der "Trichterbecherkultur" lange Zeit für Nachbestattungen genutzt wurde. Bei der Auffindung war auch noch eine den Hügel umgebende Steineinfassung vorhanden. Im Jahre 1980 wurde der Hügel nach alten Maßen wieder aufgeschüttet.

 

 

 

Dellbrücker Kammer

Dieses wunderschöne Megalithgrab aus der jüngeren Steinzeit wird ebenfalls der "Trichterbecherkultur" zugerechnet. Es steht in der kleinen Ortschaft Dellbrück und war ursprünglich von einem Hügel bedeckt.

 

 

Dieses Ganggrab stand ursprünglich in Schalkholz. Es wurde im Jahre 1970 von dort an seinen jetzigen Standort in Heide, in der unmittelbaren Nähe des Museums für Dithmarscher Vorgeschichte, versetzt. Im Laufe der 1876 begonnenen Ausgrabung fand sich unter anderem ein verzierter Trichterbecher, der wohl eine Grabbeigabe darstellte. Dieses Ganggrab dürfte wohl etwa um 2.300 v.Chr. errichtet worden sein.

 

 

 

 

Ostrohe (bei Heide)